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TEMPO GIUSTO - 13 RUDIMENTS

UPBEAT

weckruf als introduktion - 8stimmiger cluster, der, wie zusammengeschweißt, nicht sich auflösend wollend - mehrere explosive versuche, aus der umklammerung der cluster sich zu befreien, doch der magnetismus, der die 8 töne immer wieder zusammenklumpt, ist stärker   - alles in allem ein verzweifelter, quälender versuch, eine ordnung, eine conventio zu etablieren - aussichtslos - no way out................

FEVER

nervös, hektisch, taumelnd, nicht fuß fassend, aus der bahn geworfen, ohne orientierung -   polyrhythmik en masse, so daß der beat sich der wahrnehmung entzieht und....ohne beat keine existenz.......

TANGO MORTALE 1 (MEDIA VITA IN MORTE)

langsame habanera - phrygisch - cantus firmus "mitten wir im leben sind mit dem tod umfangen" - wie ein roter faden, wie eine idée fixe, auf die alles zurückzuführen ist.......

CODE

auf dunklem untergrund morsezeichen im polyrhythmischen "trialog" - eine musik, die sich nicht entwickelt im sinne einer fortspinnung (denn die entwicklung befindet sich in den codes, ist jedoch   nicht semantisch erfahrbar, wir hören ja nur rhythmen), doch als geistiges programm träger der musik zu einer vorgestellten choreographie - musik hat den charakter einer erscheinung, vision, traum, relativ kurz, ein intermezzo - dennoch das "herz"stück .....

TANGO MORTALE 2 (MEDIA VITA IN MORTE)

3stimmiger satz von m. praetorius im original - kontrapunktisch dagegen eine zweite musik im habanera-rhythmus - simultanität - vorder-und hintergrund -   der tod ist polyphon, bitonal, polyrhythmisch, bisexuell, androgyn - sie, der tod, ein/e tangotänzer/in.....

RELAX

entspannte, sophisticated music, aufgebaut auf einem riff -   von gewisser eleganz, charming, mondän, easy listening, ein wenig kitsch - eine musik en passant, verbindlich, wie ein small talk ("schön, dich mal wieder gesehen zu haben...")

BLACK OUT

die wiederkehr des scheinbar gleichen, getrennt durch black out - dann: gleiches tempo, gleiche melodie, gleicher rhythmus, gleiche harmonie, doch irgendetwas ist anders - das andere ist vertraut und fremd zugleich, wie eine halbe wahrnehmung (wie fremd bist du mir, vertraute.....wie fremd bin ich dir, vertraute)...

ENERGY

kraftvoll, durchgehend laut -   virtuoser werdend, ausgelassener, tobender, überkandidelt, kopfloser, out of control - dann harter cut mitten in die musik hinein wie ein mentaler black out - filmriß, herzstillstand (stillstand der herzen?) - schluß, aus, ende....vorbei.......

MONOLOGUE INTERIEUR

bratschensolo - wie ein rezitativ, frei im tempo und rhythmus - eine bestimmte musikalische wendung wird "erinnert" -   (ein innerer monolog ist das außen von innen gesehen)...

PASSION

duett für klarinette und fagott -   nicht eigentlich ein duett, sondern zwei solostücke im wechsel, manchmal sich überlappend - eher charakter von zwei selbstgesprächen - jedes instrument "spricht" für sich - die klarinette (das weibliche instrument) im musik. gestus durchaus positiv in der haltung, initiativ, an einer melodie bauend, etwas herstellend - dann jedoch sich verlierend in floskeln, den melodiefluß unterbrechend, stockend, schließlich verstummend   - das fagott (männlich) im musik. gestus "wie fremd mit sich selbst", elegisch, klagend, doch verhalten, nie aus sich heraus gehend, wie unterdrückt - und auch hier die pause, das verstummen, die sprache verloren...

TANGO MORTALE 3 (MEDIA VITA IN MORTE)

eine habanera wie aus einem night club - der choral versteckt in den strukturen, nicht hörbar als melodie (also inmitten des tangos wie eine unsichtbare statik) - immer wieder abbrüche - torsocharakter - kein loslassen der gefühle, sondern festhalten der gefühle und deshalb fragmentarisch - trauer, resignation....

TAPPING

beschwingt, immer voller rhythmischer überraschungen - ein wenig "wie von früher" (fred astaire, ginger rogers, gene kelly)   - musik wie ein "event", bei der man schon vorher weiß, was kommt: kein inhalt, nur oberfläche - musica di ironia..

FUGA (FLUCHT)

intro: eine "wartende" musik, ohne bewegung, wie erstarrt, gläsern, kalt - doch dann (wie aus heiterem himmel) aufbruch - atemloses tempo - das fugenthema hochnervös, wie auf der flucht (flucht weg von? flucht hin zu?) - musik auf der flucht von sich selbst, nicht schwermütig wie eine musik weg von, nicht hoffend wie eine musik hin zu, sondern nur t e m p o, t e m p o , t e m p o.

(Gibt es das überhaupt, das Tempo giusto? Oder träumen wir es nur, Träumerin? - Gibt es nicht immer nur ein Tempo individuale, das zufällig mit einem anderen Tempo individuale...aus purem Zufall? - Das richtige Zeitmaß, ein Widerspruch, es zerbricht an der Realität, no way out, man muß es nur träumen - Lieben wir, Träumerin? Oder können wir nur träumen zu lieben? - Ich bin ein Träumer...“)

(Aus " rudiments" zu "Tempo giusto", 2004)

Mehr Infos: BÜHNENMUSIK "Tempo Guisto"
Mehr Infos: ENSEMBLE "Tempo Guisto"






 
       
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